Ausgabe 6/13

Darkstar / Micachu & Tirzah / Tree / Max Loderbauer / Planningtorock / Azealia Banks feat. Pharrell Williams / Wise Blood / Kim Deal / Islet

Vertrauen ist besser! Das sollen die ProtagonistInnen des Clips zum Darkstar-Track A Day’s Pay for A Day’s Work lernen und ­­­begeben sich dazu in ein etwas abgerocktes Community Centre im Süden Londons. Längst hat sich der therapeutische Komplex tief in unsere Gesellschaft eingewoben, weshalb die im Video gezeigten Übungen nur allzu vertraut erscheinen. Und dennoch leicht skurril wirken – vor allem auf dem Hintergrund des nüchternen Raums, in dem sie stattfinden. Macht sich die Regisseurin des Clips, Lucy Luscombe, hier etwa über Menschen lustig, die sich auf Sinnsuche befinden, deren ökonomischer Status ihnen aber nur eine niedrigschwellige Spirituality-To-Go zubilligt? Das mag der Ironiker in uns so verstehen, kann aber wohl kaum die Absicht von Darkstar, dem Trio um Gründer und Mastermind James Young, gewesen sein. A Day’s Pay for A Day’s Work ist eine Auskoppelung aus dem schon Anfang Februar erschienenen zweiten Darkstar-Album News from Nowhere. Auf ihm macht sich das Trio ernste Gedanken zu inneren Zuständen und endenden Beziehungen. Und hat noch dazu eine erstaunliche Wende hingelegt: von Dubstep-Produzenten, die verschiedenen MCs den dunklen, basswummernden Soundteppich ausbreiten, hin zu einer psychedelischen Elektronikcombo mit selbst intonierten Gesängen à la Beach Boys, wie sie beispielsweise auch von Django Django angestimmt werden. Und Darkstar sind noch dazu von Hyperdub, dem Heimatlabel von Burial, zu Warp Records gewechselt. A Day’s Pay for A Day’s Work ist wohl das eingängigste Stück auf News from Nowhere, das,­ wenig überraschend, in einem alten Haus auf dem Land in West-Yorkshire aufgenommen wurde. Die Eröffnung von A Day’s Pay for A Day’s Work durch eine minimalistisch-eingängige Piano-Sequenz, die dann das ganze Stück trägt, lässt schon ahnen, dass die ihr folgenden Synthiechoräle und Klangflimmereien tief in Melancholie getaucht worden sind. Das schleppende Schlagzeug tut sein übriges. Und natürlich die Vocals. „I never cared so much for losing touch“, lautet die erste Zeile. Na, da gilt es also wieder etwas zurückzuerlangen. In Luscombes Video ist zu sehen, wie auch die Jungs von Darkstar mit den Tüchern wedeln, trommeln, sich an den Händen halten und sich beim Fallen durch andere auffangen lassen. Ist wahrscheinlich gar nicht mal so sehr gespielt. Dass das Video hier auf eareyeam vorgestellt wird, ist übrigens dem tollen Blog Robynthinks zu verdanken, das ebenfalls bei Blogsport angesiedelt ist. Sein Autor, ein DJ und Bassmusik-Aficionado, hatte den Clip schon lange vorher entdeckt und gepostet. Robynthinks feierte Mitte August seinen fünften Geburtstag. Dafür nachträglich noch herzliche Glückwunsche und ein Weiter so!

Micachu ist ein echtes Wunderkind. Ihr bürgerlicher Name ist Mica Levi, geboren wurde sie 1987 im englischen Surrey. Micachu hat die Londoner Guildhall School of Music and Drama absolviert, schon eine Partitur für das London Philharmonic Orchestra geschrieben und ist mit dem London Sinfonietta aufgetreten – als Frontfrau ihrer Band Micachu & The Shapes. Diese macht laut Micachus Aussage Pop, andere würden es wohl eher als avantgardistisch angehauchte Indie-Mucke bezeichnen. Im Februar 2012 legte sie ein beeindruckendes DJ-Set mit eigenen Remixen im Boiler Room hin. Und jüngst komponierte Micachu den Soundtrack zu Under The Skin, einem Film von Jonathan Glazer mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle, der erst im März 2014 herauskommt, im Vereinigten Königreich aber schon als der nächste Kultstreifen antizipiert wird. Zu allem Überfluss hat sie auch noch den wohl besten Club-Earpleaser der vergangenen Saison im Portfolio. Für I Am Not Dancing tat sich Micachu mit der Sängerin Tirzah zusammen. Abgeliefert haben die beiden einen bouncenden und scheppernden Mid-Tempo-Beat, über den abstruse Klangsamples gelegt sind – da kommt wohl so einiges aus den von Micachu selbst gebastelten Instrumenten, für die sie mittlerweile berüchtigt ist. Tirzah singt darüber die starke Phrase „Ich tanze nicht, ich kämpfe“ so mild temperiert wie es nur irgend geht. In dem von Grant Armour gedrehten Clip zu I Am Not Dancing fallen Tirzah und Micachu aus ihren etwas linkisch-eckigen Tanzbewegungen in einen angetäuschten Faustkampf – und Micachu macht an der richtigen Stelle eine schöne Grimasse. Joe Goddard, Gitarrist und Bassist bei Hot Chip hat mal wieder Gespür bewiesen. I Am Not Dancing ist im August auf seinem Label Greco-Roman erschienen.

Und noch ein Beispiel grimassenschneidender Megatalente: geliefert von Oliver Nickell aus dem kalifornischen Santa Cruz. Der sieht sich als Teil des Tree Collective, wie der Text auf seiner Homepage beweist. Realistischerweise muss Tree aber wohl eher als Ein-Mann-Betrieb mit punktueller Beteiligung von Freunden verstanden werden. Das „Wir“ als Behauptung einer Reife und Vernetzung. Doch er entkommt seiner Jugendlichkeit nicht: In der Rezension seiner im August erschienenen Debüt-EP Demons auf der Webseite Consequence of Sound wird sie einerseits als notwendige Grundlage für Nickells Fusion unbekümmerter Experimentierfreude beim Soundbasteln mit dem dunklen Motiv der Teenage-Angst abgenickt, dann aber wieder als Ursache für ungebührliche Leichenfledderei des Radiohead-Klassikers Karma Police gedisst. Dabei muss man Nickell aka Tree bescheinigen: Er hat Karma Police wieder ein bisschen aus der Kannichnichtmehrhören-Ecke herausgeholt und zeitgemäß aufgepimpt. Gerade weil er sich anmaßte, den einen Guß, aus dem der Song ja ist, einzuschmelzen und zu einem Porridge aus weirder Kammerfolk- und Breitwand-Elektronika, Trip und Hip Hop zusammenzurühren. In dem von ihm selbst mit verantworteten Video zu Karma Police weckt er beim Betrachter durch seine leicht grenzdebile Mimik während der Rap-Passage fürsorgliche Gefühle. Allerdings gehen mit Nickell dann doch die Gäule der Adoleszenz durch, wenn er im Clip auch noch so etwas wie eine exorzistische Bewältigung des Traumas ungezählter Geigenunterrichtsstunden zelebriert.

Endlich gibt es eine neue Veröffentlichung des Schweizer Labels Svakt. Wieder erfreut Svakt VinylliebhaberInnen mit einer von einem sorgfältig gestalteten Cover umhüllten Scheibe, darauf ein etwa 18 minutiges Stück auf einer Seite. Wer wissen möchte, was es mit dieser speziellen Veröffentlichungspolitik auf sich hat, lese bitte das Interview, das eareyeam mit Labelgründer Edouard Jeunet geführt hat. Edouard konnte Max Loderbauer dafür gewinnen, diese dritte Ausgabe der Svakt-Reihe zu produzieren. Obwohl oft Zurückhaltung übend, kann der in Berlin beheimatete Musiker wohl als einer der führenden Köpfe der deutschen Elektronica-Szene gelten. Zum Beispiel war er in den 90er Jahren eine Hälfte des Duos Sun Electric, das das Genre der Intelligent Dance Music maßgeblich geprägt hat, bevor dieses unter dem Label Ambient stellenweise in eine gewisse Lounge-Tauglichkeit abdriftete. Und immer noch ist Loderbauer Mitglied des Moritz von Oswald Trios. Mit dem House-DJ und Produzenten Ricardo Villalobos hat er 2011 Stücke aus dem Backkatalog des Jazz- und Neue Musik-Labels ECM geremixt. Und im Augut erschien schließlich sein allererstes Soloalbum – auf dem Label Non Standard Productions. Transparenz heisst es, und das hier vorgestellte Stück Slowrag beweist tatsächlich, mit welcher Klarheit und Präzision Loderbauer seinen Tracks Veränderungen und Spannungen zufügt ohne jemals auf eine eindeutig-offensive Melodieführung zurückgreifen zu müssen. Ambient ist hier meilenweit von Goa-Esoterik entfernt. Statt Hingabe ist Aufmerksamkeit gefragt.

Für Svakt hat Loderbauer den Track Collodium aufgenommen, von dem es einen Ausschnitt auf Soundclound zu hören gibt. Ein Stück in drei Akten, könnte man sagen. Zu Beginn verströmt es eine fast schon pastorale Aura. Die von Loderbauer langgezogenen, hohen und sphärischen Töne, denen dezente Bässe unterlegt sind, könnten der Orgel einer protestantischen Kirche entstammen, lassen aber auch Bilder einer ruhig dahingleitenden Fahrt mit dem Raumschiff durchs All zu – Space Odyssey 2013. Allerdings setzen nach einer Weile aufgeregtere, percussive Sounds ein und durchkreuzen die Vorstellung von feierlicher Erhabenheit und endloser Weite. Ist das verfremdetes Kuhglockenläuten? Könnten auch Steel-Drums sein. Lodenbauer lotet alle Aspekte von Ambient aus, wenn er die pluckernden, dynamischeren Beats schließlich in ein ziemlich dissonantes, fast schon schmerzendes Pfeifen und Sägen enden lässt, das immer insistierender wird. Der extraterrestrische Trip erweist sich als gefährlich, die Appaturen drohen außer Kontrolle zu geraten. Collodium steigert sich im dritten Akt praktisch zum Noise bevor das Werk mit letzten Zuckungen ausklingt – ist das Raumschiff noch unbeschadet? Großes Sci-Fi-Kino.

Das Cover-Artwork für Collodium wurde von dem Schweizer Grafiker Pierre Ferrero gestaltet, das Hüllenfoto stammt von Mikaël Begnis und den manuellen Druck übte erneut das TTDMRT-Kollektiv aus. Wer die Loderbauer-Scheibe gerne für seine Plattensammlung ergattern möchte, sollte sich beeilen, denn auch die Auflage dieser Svakt-Ausgabe beträgt lediglich 300 Stück.

Wie Loderbauer hat es auch die aus Nordengland stammende Janine Rostron nach Berlin verschlagen, wo sie unter dem Projektnamen Planningtorock multimedial zugange ist. Schon in der eareyeam-Ausgabe 2/13 wurde ihr Track Misxgyny Drxp Dead vorgestellt. Nun hat sie das Stück Full of Fire der schwedischen Pop-Avantgarde-Combo The Knife umgearbeitet. The Knife hatten ja im Frühsommer das Album Shaking The Habitual auf den Markt geschmissen, das die Feuilletonisten am Jahresende wohl sicherlich zum Best of 2013 zählen werden. Das darin enthaltene Full of Fire, ein überlanges, rohes Stück Elektronica im Geiste des New Wave, ist von Rostron im hauseigenen Groove-Bottich so lange unter Wasser gehalten worden, bis es sich in eine für Planningtorock ganz typische weiche, funky Basslinie mit euphorischen Synthiebläsern aufgelöst ha­t. Eigentlich lässt nur noch die Textphrase „Let’s talk about gender baby, let’s talk about you and me“ auf die nervöse Originalmasse schließen. Full of Fire ist also praktisch auf ein tanzbares Essential runtergestrippt worden. Auf diese Art und Weise beim Eintritt in den Vorlesungssaal begrüßt, wären die Telnehmer_nnen eines universitären Geschlechterstudienseminars sicherlich um einiges entspannter. Das Video zum Reworking von Full of Fire hat Planningtorock natürlich selbst verantwortet – nicht nur macht sie hier mit ihren grellen computergenerierten Abstraktionen den Rorschach-Test, sie setzt, wie auch schon beim Misxgyny Drxp Dead-Clip, ganz auf die Wirkung von Mündern.

Und gleich hinterher eine Musikerin, der eher viele Worte über die Lippen gehen. Die allerdings auch einer schwesterlichen Solidarität den Stinkefinger zeigt, wenn sie mal wieder das Handbuch für den Hip Hop-Entrepreneur auf dem Couchtisch liegen hat. Azealia Banks biegt augenblicklich auf die Zielgerade der Veröffentlichung ihres Debütalbums Broke With Expansive Taste ein, nach einem ewig langen Vorlauf, der ja praktisch mit dem Auftauchen des Videos zu ihrem Knaller-Track 212 im Herbst 2011 seinen Anfang nahm. Im entsprechenden Handbuchkapitel für den jetzigen Karriereabschnitt muss wohl so etwas stehen wie: Gehe die taktische Allianz mit einem derzeit erfolgreichen und dennoch weiterhin coolen männlichen Kollegen ein – mache aber keinen Mainstream-Track mit ihm, um deine Streetcredibility nicht vollständig zu verlieren. Und deshalb wird sie auf den letzten Metern noch von Pharrell Williams gedopt, der ja dieses Jahr dank Daft Punk so etwas wie seinen zweiten Frühling erlebt hat. Auf der genialen Rapgenius-Seite dekodieren erfahrene HipHop-KonsumentInnen die Lyrics des von Pharrell produzierten Track ATMJAM, der bisher zweiten Single von Broke With Expansive Taste. Demnach hat Ich-Erzähler Pharrell so viel Knete aus dem Geldautomaten gezogen, dass dieser seinen Geist aufgegeben hat. Jetzt heisst es: Was tun? Die gute Azealia darf bestimmen und will erwartungsgemäß die volle Party. Kräftig klopft sie sich auf die eigene Schulter – für ihre Classyness, den wohlgeformten Hintern, die teuren Klamotten sowieso. Und natürlich: Erst mit ihr wird lesbischer Sex zur ganz heißen Sache. Pharrell ist da natürlich viel weniger explizit. Er beschränkt sich auf die Beobachtung „They shootin‘ in the parking lot, Everybody get low“, was (wie komisch und zugleich erhellend) übersetzt so viel heisst wie: Es wird getanzt. Pharrell hat mit ATMJAM einen ziemlich minimalistischen Track geschaffen: null Melodie auch für die Vocals, ein nervös-percussiver Beat, der mehrfach unterbrochen wird; besonders prägnant eben beim Parkplatz-Schusswechsel. Das ganze Bitchasspipeshit ist im entprechenden Video vom Multimedia-Grafiker und VJ Adam Fearon in eine dreidimensionale und bewegliche Schrift gegossen worden, die Anleihen an die retro-futuristische Ästhetik der Motocross-Szene der 80er Jahre nimmt. Ein elaborierter Beitrag aus dem expandierenden Genre des offiziellen Lyrics-Videos. Karaoke-Schwierigkeitsgrad 10.

Das nächste, von Regisseur Keith Musil gedrehte Video mutet wie ein Ausschnitt aus einem Spielfilm an, den man eigentlich in ganzer Länge sehen müsste, um zu begreifen, was in dem Clip passiert. Doch ohne ein Davor und Danach gibt das Gesehene zahlreiche Rätsel auf – was es natürlich gerade interessant macht: Warum sitzen die zwei so verschieden wirkenden Frauen gemeinsam in einem Cabrio? Fallen in der gezeigten Luxusvilla Schüsse? Und ist es die jüngere Frau, die schießt? Was verbirgt sich in der Tasche, die sie aus dem Haus mitbringt? Wer befindet sich in dem Fahrzeug, das die beiden Frauen verfolgt? Und warum kapitulieren sie schließlich vor dem Verfolger? Diese Szenen illustrieren das Stück Alarm von Wise Blood, einem Projekt hinter dem sich Christopher Laufman aus US-amerikanischen Pittsburgh verbirgt. Alarm ist ein Stück von der Debütplatte id, die schon im Frühsommer erschienen ist. Und wie Oliver Nickell von Tree musste auch Christopher Laufman reichlich Kritik für seinen Erstling einstecken: das Werk sei zu unpersönlich, nicht subtil genug, und Laufman zeige ständig, für wie clever er sich selbst hält. Tatsächlich hat sein Sampling der gesamten Musikhistorie, über das er als einziges selbst gespieltes Instrument seine oft im Sprechgesang verharrende Stimme legt, geradezu etwas Großspuriges, wie zum Beispiel der Track Rat demonstriert. Bei Alarm geht Laufmans Bastelei aber halbwegs auf, vor allem der Loop mit den Holzblasinstrumenten gibt dem Stück die nötige Wärme und eine nicht zu plakative Dramatik, die der Regisseur des Clips adäquat ins Bildliche übersetzt hat.

Die eareyeam-Ausgabe 5/13 hatte ja den Pixies und ihrem neuen Song Bagboy breiten Raum gewährt, aber nicht ohne zugleich den Abgang von Bassistin Kim Deal zu bedauern. Wer wissen will, was sie jetzt so ohne Frank Black und Co. macht (ein Zustand, den Deal ja schon aus der langen Ruhepause der Pixies zwischen 1993 und 2004 kennt), ist hier richtig aufgehoben. Zu hören gibt’s das sparsam instrumentierte und äußerst getragene Are You Mine, Teil einer Serie von Solo-Singles, die Deal neben ihrem weiteren Engagement bei den Breeders in diesem Jahr erarbeitet hat. Auf SoundCloud sind die anderen beiden Lieder, Walking With The Killer und Hot Shot, zu finden, die bisher im Rahmen der Serie veröffentlicht wurden. Are You Mine ist ein ziemlich persönlicher Song. Denn „Bist Du meins?“ war eine jüngst von ihrer Mutter an Deal gestellte Frage, mit der sich die an Alzheimer erkrankte Dame der eigenen Elternschaft versichern musste. Ihr gehören die im Video gezeigten Porzellansalzstreuer, die der Musiker, Installationskünstler und Regisseur Kurt Ralske für den Clip durch Arrangement, wechselnde Beleuchtung und extreme Nahaufnahmen poetisch verfremdet hat. Die Figuren scheinen aber auch menschliche Regungen zu zeigen. Kitschig-rührend und grotesk zugleich.

Der Abbinder soll wieder ein schmissigeres Stück sein: Carlos von der seit 2009 existierenden walisischen Gruppe Islet. Die versteht sich als echtes Kollektiv, die Musiker wechseln sich an den Instrumenten ab und treten mit gleich zwei Schlagzeugen auf. Downloads ihrer oder gar eine MySpace-Seite sucht man im Netz vergeblich. Islet setzen ganz auf ihre Auftritte. Bei Carlos schimmern irgendwie die guten alten Talking Heads hinter dem ganzen Arkadenfeuer durch. Und besonders der Bass treibt das Stück gnadenlos voran.­­­­ Im Rahmen ihres wahrscheinlich eher begrenzten finanziellen Budgets versuchen die vier Bandmitglieder, Emma Daman, die Brüder Mark und John Thomas sowie Alex Williams, dann auch ähnlich wie weiland die Truppe um David Byrne ausgefallenere Wege der Visualisierung ihres musikalischen Outputs zu gehen. Ihr Hausregisseur ist Ewan Jones Morris, der vor drei Jahren schon den effektvollen Clip zum Stück Ringerz produziert hatte. Das Vide­­­o zu Carlos wurde in den Werkstätten des National Welsh Theatre in Cardiff gedreht – aus möglichst unmöglichen Perspektiven. Dabei schonten sich gerade die Musikerinnen nicht, arbeiteten sie während des Einspielens des Songs doch gleichzeitig auch noch als Kameramänner und -frau. Befestigt auf einem Stativ, dass den Bandmitgliedern jeweils auf den Rücken geschnallt wurde, erzeugte das Aufnahmegerät schräge Bilder von oben auf eine körperlich äußerst aktive Truppe. Gerade Bassist Alex Williams ist ein echter Hingucker und demonstriert eindrücklich, dass es seine Hypermotorik ist, die Carlos so pusht. Bezeichnend, dass der Mann sein reguläres Einkommen in einem Teeladen generiert. Carlos ist ein Stück von dem dieser Tage auf Shape Records erscheinenden zweiten Album von Islet, Released By The Movement.